Und die Reise mit Ole und seiner Familie geht weiter. Nach Paraty zog es uns in den Bundesstaat Minas Gerais, in die Serra do Papagaio. Bei der Vorbereitung dachte Papa und Mama an Ole und seine Eltern und buchten ein Häuschen im JWD. So weit draußen, dass das erste Abenteuer bereits darin bestand, das Häuschen überhaupt zu erreichen. Nach einer langen Anreise aus dem Bundestaat Rio de Janeiro kamen wir am Abend in Aiuruoca an, dem nächsten Örtchen bei unserem Haus. Doch mit Ankunft noch weit gefehlt; die 8 km lange Erdstraße, die durch den Regen augeweicht war, war für selbst für die Rallyefahrerin Fränzi eine große Herausforderung. Wir wussten nicht mal wirklich, wo sich dieses Haus befand und wie es aussah. Da mussten Papa und Christoph ein paar Mal mit Taschenlampen bewaffnet durch die Dunkelheit stapfen und die Lage checken. Nur gut, dass sie irgendwann auf die Hostelbesitzer*innen Caio und Polyana und ihren Hund Brown (merkt euch diesen Namen) getroffen waren, die uns schließlich zu unserer Residenz brachten. Der letzte Teil des Abenteuers wurde mir erst am nächsten Morgen erzählt. Mich hatte es bei der ganzen Aufregung nämlich schon in einen tiefen Schlaf verschlagen.

Am nächsten Tag ging es nach einer erholsamen Nacht zum Alltag zurück: Wanderungen. Nachdem wir ein bisschen die Umgebung erkundet hatten, sind wir am Nachmittag zu Polyana und Caio ins Hostel gegangen. Auf dem Weg dorthin begegnete uns ein sympathischer Hund, der uns begleitete und Stöckchen spielen wollte. Papa und Christoph kannten ihn schon aus der Taschenlampennacht, es war der Hund Brown der Hostelbesitzer*innen.

Schaut euch gut das obrige Foto an… Nein, nicht die Tatsache, dass Papa in der Nase popelt, ein wichtiges Detail: Brown, der Hostelhund rennt dem von mir geschmissenen Stöckchen hinterher. In einigen Momenten versuchte er, uns das Leben zu retten, wobei er sich selbst in Gefahr brachte. Das ist wohl die abenteuerlichste Geschichte, die sich bisher in diesem Blog wiederfindet:
Brown folgte uns bis zum Hostel, in dem er uns den Weg den Fluss entlang zeigte und auch, wie wir diesen überqueren. Dort angekommen trafen wir Poly und Caio, die Erwachsenen genossen die 5 Minuten Internet, die sie am Tag zur Verfügung hatten. Poly zeigte uns ihre Pilzfarm und führte uns dann zu einem Wasserfall, wo wir hätten baden können. Brown an der Spitze gefolgt von Poly fing nach ca. 5 Metern Wanderweg an zu bellen. Poly bemerkte schnell, dass Brown uns auf einen Gefahrenpunkt aufmerksam machen wollte und wir blieben stehen. Brown verstummt und Poly schrie um Hilfe, alles ging blitzschnell. Brown wurde von einer Klapperschlange angegriffen, die sich nur verteidigen wollte vor dem rumspringenden Brown, der auch noch anfing zu bellen.

Zum Glück hatte Onkel Christoph mit viel Mut (und gutem Zoom) dieses Foto von der Schlange geschossen, dass Caio mit zum Tierarzt in der Stadt nehmen konnte, um diesem zu zeigen, von welcher Schlangenart Brown angegriffen wurde. Wir sind niedergeschlagen nach Hause zurückgekehrt. Besonders Ole hat sich Sorgen um unseren treuen Begleiter Brown gemacht. Aber wenige Stunden später kam Caio mit Brown, um Christoph die Kamera zurückzubringen. Brown ging es gut. Die Schlange hatte wohl kurz vor unserer Begegnung bereits gut gegessen und somit nur noch wenig Gift in sich, um Brown zu gefährden. Der Arzt verabreichte ihm ein Gegengift und er sollte sich noch einige Tage von dem Angriff ausruhen. Uns hatte das alle sehr mitgenommen und wir hatten großen Respekt auf den weiteren Wanderungen vor den Reptilien.
Dieser Tag wird uns allen noch lange im Gedächtnis bleiben. Ole hatte meinen Papa, den waschechten Brasilianer schon seit dem ersten Tag damit gelöchert, wann wir denn endlich mal eine Schlange sehen würden. Das es dann soweit war, sollte ihn eigentlich zufrieden stimmen.
Es waren tolle Tage mit Ole, Fränzi und Christoph, in denen wir das große Brasilien zusammen ein bisschen besser kennenlernen konnten. Schön, dass ihr nun dieses für mich so wichtige Land auch einmal bereist habt. Danke an Vovó, Juju, Lala, Bisa, Vó Nina und Francisca, dass ihr die drei so tatkräftig unterstützt habt und die brasilianische Gastfreundschaft unter Beweis gestellt habt.

Es gab noch ein weiteres Abenteuer, dass ich in Brasilien durchlebt habe, aber in diesem Fall ohne Oles Hilfe. Es war auch viel angsteinflößender als eine Klapperschlange: Karies. Die Familienzahnärztin Adriana stellte fest, dass sich ein kleines Kariestierchen zwischen meinen Schneidezähnen festgesetzt hatte. Adriana konnte mich mit einer Spiderman-Zahnbürste auf den magischen Stuhl locken, der sich nach oben und unten bewegen konnte, verrückte Sache. Adriana ist ganz ruhig an die Sache rangegangen. Und danke Vovós und Papas beruhigenden Worten, konnte Adriana nach anderthalb Stunden sich dann endlich an die Arbeit machen. 10 Minuten später war ich tierchenfrei und mit strahlendem Lächeln aus der Praxis.

In Brasilien war es so toll wie immer; Strand, Eis, Popcorn, spielen mit Gael, Chloé und Zola, viel Familie, Shoppingcenter und Kino.
Ole und seine Eltern musste leider ihre Brasilienreise nach einigen Wochen abbrechen, Coronavirus … Auch dieser beschäftigt mich sehr. Wie ich meine Coronazeit verbringe, verrate ich euch im nächsten Beitrag.




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