Nach einigen Machtspielen zwischen dem rumänischen Ministerpräsidenten und der Bildungsministerin hat sich der Clujer Bürgermeister dazu entschieden, die privaten Kitas wieder zu öffnen. Wenn sich zwei streiten, freut sich der Dritte – und Papa, Mama und ich.
So gehe ich seit Mitte Juni nun endlich wieder in die Kita. Aber natürlich nur unter strengen Sicherheitsvorkehrungen: tägliche Temperaturmessungen, Einlass nur zwischen 8 und 8:45 (aber Morgenstund hat Gold im Mund – das konnte ich jetzt feststellen), Wechselkleidung der Straßensachen, Maske für die Person, die mich in die Kita bringt und und und. Aber es wird nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Ich freu mich auf jeden Fall, wieder unter Gleichgroßen zu sein – gleich und gleich gesellt sich gern.
Nach einem kurzen Kitaintermezzo stand dann auch schon wieder Urlaub für mich auf dem Programm: Ich bin mit Mama nach Berlin geflogen und habe da so einiges erlebt.
Die erste Nacht haben wir bei Ole, Franzi und Christoph verbracht. Mensch, haben wir uns lange nicht gesehen, das letzte Mal vor Corona bei unserem gemeinsamen Brasilientrip. Ole ist so groß geworden, er hat jetzt sogar ein Hochbett und zwei Zahnlücken. Ihr könnt es erahnen, er wird bald eingeschult.

Opa hatte große Pläne mit mir für unsere Ankunft: Er wollte mich in die Kunst des Angels eingeführt, denn was Hänschen nicht lernt, lernt Hans wohl nimmer mehr. Ich dachte, dass das ganz aufregend wäre, aber nach ein paar Stunden, wurde auch mir langweilig. Opa hat sich die Fische dann abends auf dem Grill schmecken lassen, ich blieb lieber beim Grillkäse. Jedem Tierchen sein Pläsierchen.
Ole und ich hatten noch einige Tage gemeinsam vor uns. Oma und Opa haben es trotz Corona und Inlandsurlauber*innen geschafft, eine nette Wohnung für uns in Zempin (Usedom) zu ergattern. Leider habe ich mir vorher meine Elle angebrochen. Ich kann mir gar nicht so richtig erklären, wie das passiert ist. Ich habe mit Marlene mit einem Luftballon auf der Wiese gespielt. Da passierte es; der Teufel ist ein Eichhörnchen, sage ich euch. Da bin ich einen Tag vor der Abreise mit Mama in die Notaufnahme gefahren, wo sie mir eine rote Schiene angelegt haben. Ich habe mir selbst den Spitznamen „Blutmonster“ gegeben, obwohl es keinen einzigen Tropfen zu sehen gab.

Nach einer kurzen Eingewöhnung konnte ich mit Ole wieder schnell rumtoben und auch ich war fit für den Urlaub. Mit den Rädern auf dem Dach ging es mit dem Auto an die Ostsee. Trotz des verregneten und recht kühlen Wetters haben wir viel erlebt. Aber es gibt ja bekanntlich kein schlechtes Wetter, sondern nur falsche Kleidung.
Mein persönliches Highlight war natürlich eine Bahn: die Usedomer Bäderbahn, mit der wir die Insel abgeklappert sind. Und nachdem ich das dann nach ein paar Stunden auch ganz souverän aussprechen konnte, haben Ole und ich ein Spielexemplar für zuhause geschenkt bekommen.

An der Strandprommenade gab es an den Vormittagen Puppentheater – natürlich mit Sicherheitsabstand zwischen den Besucher*innen und im Freien. Dort haben wir Der kleine Drache Kokosnuss und Kasperle gesehen. Da ist mir auch erstmal aufgefallen, wie mir der kulturelle Input gefehlt hat. Und da es in Blankenfelde kein Theater gibt, haben Ole und ich uns inspirieren lassen und die Geschichten bei Oma und Opa im Garten nachgespielt.

Der zweite kulturelle Ausflug auf Usedom führte uns zum Zirkus Berolina, der ehemalige Staatszirkus der DDR (fragt mich nicht, was diese Abkürzung bedeutet; irgendwie ein Land, in dem Mama geboren wurde, jetzt aber nicht mehr existiert). Dort durften wir die Elefanten füttern, die dann gestärkt in die Vorstellung gingen. Außerdem führten noch Clowns, Kamele und Hunde ihre Kunststücke vor. Ole und ich haben in Erwägung gezogen auch den Zirkus in Blankenfelde nachzuspielen – eventuell auf Spendenbasis. Aber wir entschieden uns dagegen: Lieber arm dran, als Arm ab. Und auch die Tierhaltung machte uns stutzig.
Jetzt denkt ihr euch bestimmt, welche Banausen fahren denn an die Ostsee, ohne die Ostsee zu sehen. Den Spaß haben wir uns natürlich nicht nehmen lassen. Zumindest mit den Füßen haben wir uns reingetraut – denn in der Not frisst der Teufel Fliegen – und dann auf einem Spaziergang den Fischer und seine Frau besucht.

Und was kann schöner sein, als ein Urlaub mit Kultur, Meer und einem Zug? Richtig, ein Urlaub mit Kultur, Meer und ganz vielen Zügen. Das dachten Oma und Opa sich auch und hielten mit uns auf der Rückfahrt in Gramzow am Eisenbahnmuseum. Dort bin ich auch zum ersten Mal mit einer Draisine gefahren. So viele komplizierte neue Wörter, aber man lernt ja bekanntlich nie aus, auch als 4 1/2-Jähriger nicht.
Und wo wir schon beim Thema lernen sind: Ich habe eine große Begeisterung für Zahlen und Buchstaben entwickelt. Schließlich ist es sehr lebensnahe 10 und 10 und 10 und 3 zusammenzurechnen, um zu wissen, wie viele Minuten ich am Abend Video gucken darf. Und wenn ich 10 Gummibärchen hab und Mama und Papa mir jeweils eins abschwatzen, dann bleiben für mich noch 8, ist ja klar. Und damit die Buchstaben nicht nur Hierogylphen für Erwachsene bleiben, dachte ich mir, ich fang mal an, mir das Alphabet anzueignen und mit Mama Lesen und Schreiben zu üben. Man kann ja nie wissen, wozu das mal gut sein wird.

Klappe zu, Affe tot.













Schreibe den ersten Kommentar