Social Annäherung

Das mit dem Lockdown lief jetzt doch gar nicht so lange, wie erwartet. Ich weiß gar nicht, was alle so schlimm daran fanden. Das waren schlappe 3 Monate, ein Achtzehntel meines Lebens nur. Jeden Morgen stellten wir drei uns in den vier Wänden aufs Neue die Frage: Und was spielen wir nun?

Dank des neuen Familienbetts steht „toben“ in den Top Ten:

Mama und ich habe uns den rumänischen Näherinnen angepasst und sind unter die Maskenproduzent*innen gegangen. Und weil die Maschine schon mal stand, kamen auch noch zwei neue Hosen für mich rum. Wo sollte man die auch bei geschlossenen Geschäften sonst her bekommen?

Mit Papa kümmerte ich mich ums Essen, bei ihm steht alles mit Hefe und Sauerteig auf dem Speiseplan. Wie ich aus meiner Ernährungspyramide gelernt habe, ist Brot und anderes Gebäck die Grundlage.

Also ich weiß schon, was ich anziehe, wenn die Bars dann wieder öffnen…

Wenn wir es zu Hause nicht mehr ausgehalten haben, haben wir unser Zeltlager einfach im Garten aufgestellt; fühlte sich wie Urlaub an.

Und was bei uns nie zu Hause zu kurz kommt, sind Musik und Tanz. Ich fasziniere mich ja schon lange für den Spagat. So habe ich mich mit Mama mal an Ballett rangetastet.

Und Papa und ich machen uns an den traditionellen brasilianischen Popsongs zu schaffen.

Meine Interpratation von „Primera Vista“
Meine Interpretation von „Bichos de Sete Cabeças“

Auch das geliebte Schlagzeug hat mir so manche Langeweile zu Hause vertrieben. Nur musste ich mich mit Papa manchmal um die Sticks schlagen.

Schließlich wurde der Ausnahmezustand am 15. Mai zum Alarmzustand geändert. Alarm kenn ich nur zu gut von Feuerwehrmann Sam. Feuer habe ich an dem Tag gar nicht gesehen, keine Ahnung… War wohl Fehlalarm.

Auf jeden Fall können wir jetzt wieder ohne selbstausgefülltes Papierchen auf die Straßen und unsere Freundinnen und Fruende treffen. Mamas Freundin Mea hat uns zum Beispiel in ihr neues Häuschen in Luna de Jos eingeladen.

Und irgendwo in Cluj habe ich auch ein Bäumchen mit meinen eigenen Händen gepflanzt – und denen von Mama.

Einen Abstecher nach Feleac steht schon fast auf dem Wochenprogramm. Manchmal kann ich mich sogar über kleine Spielkamerad*innen freuen. Mit Magareta habe ich ja seit Ewigkeiten nicht mehr gespielt.

Und mit Rada und Co. durfte ich sogar ein verlängertes Wochenende in Aghireșu verbringen.

Und so schön es auch war zu Hause; es hört sich so an, als würde die Kita nun doch bald wieder öffnen können. Ich sag euch gleich, dass ich da nicht die ganze Zeit ne Maske aufsetzen und Handschuhe anziehen werde, aber nach meinen Spielkumpels und -kumpelinnen sehne ich mich schon ein bisschen. Und nach Tilda und Melinda natürlich – auch wenn ich es nicht zugeben will. Mama und Papa freuen sich schon darauf, nicht mehr jeden Morgen vor der Frage zu stehen: Und was spielen wir heute?

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